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Der Frankenwald und "Dobratsch"

so lautete die Überschrift eines Artikels der Frankenpost, der am 10. Juli 2004 erschienen ist. Verfasser ist Hermann Grießhammer. Mit seiner freundlichen Genehmigung sind hier Auszüge dieses Artikels wiedergegeben:

"Der schöne Frankenwald würde noch mehr an Reiz gewinnen, wenn auch die verborgenen sprachlichen Ursprünge besser bekannt wären. Woher kommt zum Beispiel die Bezeichnung Döbra? Döbra, steckt da nicht das slawische Dobratsch dahinter? Von der Ostsee bis zur Adria haben ganze Völkerscharen den Ausdruck "do prac" in ihrem Vokabular. Es bedeutet "waschen", allerdings nicht nur von Unterhosen und schmutzigen Kitteln, es gilt auch dem bergmännischen Waschen von erzhaltigem Gestein.

Richten wir unseren Blick einmal weit nach Süden zum Dreiländereck Italien, Österreich, Slowenien. Dort finden wir in der Nähe von Villach nördlich des Gailtales den Berg Dobratsch. Hier können wir die Sprachentwicklung von  "do prac" zu Dobratsch am besten verfolgen. Man hat dort bleihaltiges Gestein abgebaut und gewaschen. Damit kommen wir auch unserem Dobratsch im Frankenwald ein Stück näher. In der Gegend um den Döbraberg kannte man früher die Ortsangabe "uff der Wesch" mit den Eisengruben Rodeck, Thron, Poppengrün und Haidengrün. "Uff der Wesch" ist also die mundartlich-deutsche Ausdrucksweise für das fremdsprachige "do prac". Dieses "do prac" war aber schon so fest im Sprachgebrauch verwurzelt, dass es sich als "Dobra" und schließlich in der heutigen Ortsbezeichnung Döbra erhalten hat.

Mit diesem Wissen können wir nun auch auf einen anderen Ort eine Schlussfolgerung ziehen. Es ist Döbrastöcken. Für die Erzwäsche wurden mit Holz eingefasste Wasserrinnen angelegt, die von den Bergleuten "stok" genannt wurden (übersetzt: Kanal). "Stok" führte freilich leicht zu Missverständnissen, doch nach dem bis jetzt geschilderten Sachverhalt müsste eigentlich jedem Heimatforscher ein Licht auf gehen. Baumstümpfe waren nicht gemeint.
...

Der Bergbau und die Bergleute brachten manche Verwirrung ins Land. Noch mehr aber die herrschende Oberschicht aus dem Westen. Für diesen geschichtliche Komplex reicht jedoch ein Zeitungsaufsatz nicht. Ein kurzes Beispiel kann aber eingeschoben werden. Südwestlich von Döbra gab es einmal eine Burg. In Ostsprachen nennt man solche Wehrbauten "rad, hrad, grad". Urkundlich tritt sie als "Castrum Radekke" in Erscheinung ("radek" ist eine kleine Burg). Der Burgherr nannte sich nach seinem Besitz Radekker und war aus dem Geschlecht der Wildensteiner. Um sich von diesen zu unterscheiden, nahm er zusätzlich in sein Adelszeichen ein Rad mit Speichen auf. Nun ist ja ein Wagenrad kein Symbol für eine "radek" (kleine Burg), aber uns zeigt das Beispiel die Unbekümmertheit, mit der die Herrschenden die Volkssprache übernahmen. Heute steht auf dem Kernhügel der Burg ein Landhaus und blickt wie ein Adlerhorst auf das Rodachtal herab.

Zu erwähnen wäre noch der Erstname Kulm für den Döbraberg. Deshalb auch der Gewässername Culmitz, dessen Wasser vom Kulm kommt. Einen Kulm gab es auch im Unterland. Heute steht die Plassenburg darauf und die Stadt heißt Kulmbach. Dort mündet auch ein Dobrabach in den Weißen Main. Ein Dorabach entspringt bei Brennersgrün und fließt dann aber als Dober  zur Kremnitz. Solche Dobra-Namen deuten immer auf Erzwäsche hin, desgleichen auch der Klingenthaler Ortsteil Brunndöbra.

Wer am historischen Bergbau interessiert ist, kann sich heute vielerorts in Besucherbergwerken informieren. Über die sprachlichen Ursprünge aber gibt es noch vieles zu klären.


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